2117. Sippung am 18.11. a. U. 151
Fechsung des Rt. Musiking zur Ahalla-Feyer
Zum Totengedenken
Schlaraffen hört!
Lasst mich meine Gedanken zum heutigen Anlass, die naturgemäß nachdenklichen Charakter tragen, mit einer absolut positiven Bemerkung beginnen:
Ohne tiefgründige Nachforschungen zu betreiben, kann ich mit einiger Sicherheit feststellen, dass die Erforda wohl zu einem der wenigen Reyche im Uhuversum zählt, welches seit nunmehr 15 Jahrungen keinen Ahalla-Ritt zu beklagen hat.
Das hat es vorher nie gegeben, wird es wohl auch nicht wieder – und ist hauptursächlich mit der Altersstruktur seit a.U. 134 zu erklären, als ich mit 58 Jahren der Älteste im Reych war.
Ich habe mir in den letzten Tagen Gedanken darüber gemacht:
Was weiß ich eigentlich von den Erforden, die ich nicht mehr kennen gelernt habe?Gut, ich kann die Protokolle der Sippungen ab a.U. 87 nachlesen und erfahre über Aktivitäten in den Sippungen einiges über Diesen oder Jenen – aber möchte einer von Euch – sofern er es überhaupt möchte...! – später einmal über die Ambtlichen Protokolle beurteilt werden? Und da meine Lebensuhr nun nicht mehr so endlos lange ticken wird, möchte ich heute ein paar Betrachtungen über jene anstellen, die Ihr nicht mehr gekannt habt – durchaus fürs Archiv der Erforda gedacht - - - mögen Andere dies zu einem späteren Zeitpunkt fortsetzen. Als ich am 20. im Hornung a.U. 106 zu meiner 1.Sippung pilgerte, fiel mir – neben Anderen – ein ziemlich kleiner alter Herr auf ( er war unter den Alten b e s o n d e r s alt..) mit kurzem weißen Haar und einem kleinen weißen Oberlippenbart – einer sog. „Rotzbremse“ – der sich mir als Rt. Selten vorstellte. Während dieser wie auch den nächsten Sippungen machte er kaum von sich reden - außer auf der Rostra mit kleinen, aber tiefsinnigen Fechsungen – umso erstaunlicher, als er Lehrer von Beruf war und kurz vor der Uhufinsternis a.U. 74 aus der Molhusia kommend in der Erforda sesshaft wurde, wo er nach dem Krieg viele Jahrungen als Kantzler tätig war. Lange währte unser Kontakt nicht, denn bereits im Christmond 106 ritt er gen Ahall.
Dann gab’s da unsern Ritter Bogenstrich. Ein knorriger Typ, leicht cholerisch – in ständigem Streit mit unserem ruhigen Rt. Juwelus. Beide kamen aus derselben Gegend: Bogenstrich aus der Liegnicia, Juwelus aus der Katowicia, beide wurden a.U. 87 sesshaft in der Erforda. Rt. Bogenstrich war Inhaber einer Musikalienhandlung auf dem Anger – kurz vor dem Angerbrunnen auf der rechten Seite – und sehr verliebt in seine Kniewinsel. Fast zu jeder Sippung gab es einen Beitrag des Reychs-Trios, dem neben Rt. Plombo am Clavicimbel noch unser Rt. Don Kamillo mit seinem Seufzerholz angehörten. Unser Reichsherold verstarb im Lethemond a.U.108, kurz vor Vollendung des 82.Lebensjahres.
Eine Säule der Erforda in den 50er und 60er Jahren war mein Junkermeister, Rt. Adamus. Imposante Figur, lautes Organ, geistreicher Fechser, innovationsbemüht, Erfinder der Opo in der Erforda – Einer, auf dem die Hoffnungen des Reyches ruhten. Sein Kontakt als selbständiger Fotohändler zum Publikum – sein Geschäft befand sich direkt hinter dem Angerbrunnen in der Neuwerkstrasse – verstärkte die Hoffnung auf Zuwachs im Reych. Zucht und Ordnung an der Junkertafel war ihm wichtig - ich habe in späteren Jahrungen keinen Junkermeister erlebt, der sein Machtutensil, die Knute, länger in der Hand gehalten hat, als Rt. Adamus. Und dabei waren wir doch so zahm...! Fast jede Jahrung gab’s eine Sommersippung in seinem Kleingarten am Ringelberg, wo es die – zur damaligen Zeit – besten Bratwürste zu atzen gab. Der Abschied von seiner geliebten Erforda ging recht schnell; der Befund „Bauspeicheldrüsen-Karzinom“ verhinderte eine Teilnahme an den ersten Sippungen der Winterung 110/111 – und am 02.01.a.U.111 ritt er – 56-jährig - gen Ahall.
War Rt. Adamus einer der Jüngeren, so folgte ihm in die lichten Gefilde eine Jahrung später Erfordas ältester Sasse – sowohl schlaraffisch, als auch vom Lebensalter: Unser Großfürst und „Vater der Erforden“ Rt. Maggio. Rt. Maggio war Buchhalter in der früher renommierten Erfurter Firma C.A.Leitzmann – Lebensmittelgroßhandel – auf der Pilse; älteren Erfurtern noch in Erinnerung als Ruine in Gelb-Klinker-Bauweise in der Mitte der Pilse. Als Knappe 112 am 01.02.a.U.65 zusammen mit seinem Chef, dem späteren Rt. Ka-Lei-Mufid, aufgenommen. Buchhalter aus Passion, wurde er sofort nach seinem Ritterschlag zum Schatzmeister des Reyches gekürt und behielt diese Würde bis in die Nachkriegszeit a.U.90. Eine immer wieder erzählte Anektode: Als ihn unser Rt. Adamus einmal besuchte, fand er einen nervösen Rt. Maggio über seinen Büchern sitzend vor; auf die Frage nach dem Befinden sagte Maggio:“Mir fehlt ein Pfennig!“ Adamus öffnete seinen Geldbeutel und wollte ihm den Pfennig geben – aber Maggio wehrte empört ab:“Das nützt mir gar nichts – die Buchhaltung muss stimmen!“ Wir konnten ihm a.U.110 noch die Brillanten zum Großursippen überreichen – er freute sich riesig darüber in seiner feinen, stillen Art.
Nun bestand die Erforda nur noch aus 9 Sassen. Immerhin vergingen 8 Jahrungen, bevor wir den nächsten Verlust zu verzeichnen hatten: Rt. Don Kamillo. Privat befreundet mit unserm Plombo wurden beide am 02.12. a.U.96 aufgenommen; ab 104 war Don Kamillo bis zu seinem Ahalla-Ritt Marschall des Reyches. Er besaß einen kleinen Betrieb, der ätherische Öle und Cremes produzierte. Als er 1972 verstaatlicht wurde, konnte er sich mit 72 Jahren beruhigt ins Rentnerdasein zurückziehen. In seiner verschmitzten schwäbischen Art trug er viel zur Belebung der Sippungen bei. Ein bezeichnender Titul lautete „Baron Pfleiderer zu Wartburg und Taxi“ – will heißen: Die Figur des „Pfleiderer“ – in Ergänzung zum“Häberle“ - konnte er hervorragend darbieten – seine Fortbewegungsmittel waren sein „Wartburg“ oder das Taxi..! War nach dem Abgang von Bogenstrich aus dem Reychs-Trio ein Reychsduo geworden, so konnte uns nunmehr nur noch Rt. Plombo mit Darbietungen am Clavicimbel beglücken.
Als Rt. Juwelus am 04.06.124 – 94-jährig - aus der Hand unseres ER Jur-Ass den Großkristall zum Großursippenorden verliehen bekam, ahnten wir nicht, dass es seine letzte Sippung war und er 7 Monate später die lange Reise antreten musste. Wie schon erwähnt, war er Erzschlaraffe der Katovicia und konnte auf ein 56-jähriges schlaraffisches Leben zurückblicken. Seine schmächtige Gestalt verbarg einen eisernen Willen und eine unverbrüchliche Freundschaft zu Schlaraffia, die sich darin ausdrückte, dass er selbst im biblischen Alter sowohl von Tambach-Dietharz – und später dann aus Eisenach – nahezu regelmäßig zu den Sippungen kam, was dem glücklichen Umstand zu verdanken war, dass er in Erfurt eine Unterkunft hatte. Viele Jahrungen – vor meiner Zeit – war er Marschall des Reyches; in meiner Erinnerung ein ruhiger Mensch mit stets wachem Geist und einer sich bis ins hohe Alter bewahrten Schlagfertigkeit. Schlaraffen hört! Ich habe über 6 Schlaraffen aus Erfordas Geschichte berichtet.
Chronologisch wäre der Nächste Unser Zangerl. Wir schreiben die Jahrung 126 – in der Erforda hatte sich einiges getan. Ein dreifacher Ritterschlag a.U.123, einen Jk.Reinhard sowie einen Kn. 176 gab es und es lugte ein Pilger Jahn durch die Burgpforte. Es ziemt sich, dass sich ein Jüngerer mit der Fortsetzung dieser Zeilen des Gedenkens befasst, beispielsweise unser Rt. Jedenfalls.
Denn noch gibt es einige Erforden, die den Jüngeren ab Rt. Freust Dich nicht mehr gegenwärtig sind.
Wir wollen auch derer gedenken! Lulu!
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Schlaraffia Erforda – in den Jahrungen a.U. 78 bis a.U. 149
Dank an unseren Patriarchen Rt. Musiking
56 Sassen zählte die Erforda laut Stammrolle a.U.72/73.
Ahallaritte, Austritte, aber auch Neuzugänge änderten die Sassenzahl, sodass sich am 27.02.a.U.078 45 Ritter, davon 2 Fahrende, sowie 2 Junker und 3 Knappen in die Uhufinsternis verabschiedeten. Sie überlassen die wunderschöne Mosihiburg im Erfurter Gildehaus ihrem Schicksal. Wenige schlaraffische Utensilien werden über die nächsten Jahrungen gerettet.
Jeden Freitag traf sich von nun an ein Fähnlein von bis zu 25 Erforden zum Kegeln bis in die ersten Kriegsjahre. Ahallaritte und Kriegswirren dezimierten die Zahl weiter, teilweise war auch das Interesse erloschen. So kam es, dass sich am 30.08. a.U.86 zum ersten Mal nach der Auflösung 3 Getreue zum 1. Nachkriegs-Stammtisch in „Rohr’s Theatergarten“ trafen.
Es waren dies die Ritter Köbes – zuletzt Junkermeister - Rübchen und Selten. Letzterer war a.U.74 von der Molhusia zur Erforda gestoßen. Diese Stammtische wurden nun fast regelmäßig jede Woche abgehalten und immer mehr alte Erforden, aber auch Ritter, die es durch Kriegseinwirkungen nach Erfurt verschlagen hatte, fanden sich ein.
Am 11. im Wonnemond a.U.87 fand in der Heimburg des Pilgers Sommer die erste Sippung der wiedererstandenen Erforda statt. Teilnehmer waren die Ritter Köbes, Rübchen, Selten, Kilo, Schnatterfix, Papiro, Windhund (Komotovia), Stimm (Molhusia) und der Pilger Sommer, der bereits seit Jahren dem „Kegelverein“ angehörte und an diesem Tag als Knappe 150 in die Schlaraffia aufgenommen wurde. Für nunmehr 20 Jahrungen fanden in seiner Heim- und Fronburg die Sippungen der Erforda statt und er,der zukünftige Ritter Zangerl, erhielt zu Recht später den Titul „Vater der Erforden“. Ohne ihn hätte die Erforda vermutlich ein ähnliches Schicksal erlitten, wie die vielen erloschenen Reyche in der Umgebung.
Profane Schwierigkeiten zwangen immer wieder zum Rückzug auf die Stammtische und erst ab a.U. 91 wurde wieder regelmäßig gesippt. Weitere Ahallaritte, Verzug in westdeutsche Gemarkungen dezimierten das Reych, aber auch Zugänge aus ehemals böhmischen und schlesischen Reychen und eigener Nachwuchs ließen die Sassenzahl in den nächsten 10 Jahrungen bis auf 20 steigen.
Unvergessen bleiben aus jener Zeit die kombinierte Sippung der Thüringer Reyche am 29.05. a.U.95 mit 55 Sassen, darunter 11 Vimaren, 10 Gerahasen, 7 Molhusen, 9 Ysenaha-Sassen, in der Gaststätte „Bürgerhof“ sowie die Sippung der Thüringer Reyche anläßlich 100 Jahrungen Schlaraffia am 14.11.a.U.100 mit wiederum 55 Sassen, darunter 11 Nordhusen. Zum ersten Mal wurde in der Fronburg des Orgelbaumeisters Fridericus ex, der „Pfeifenburg“, gesippt, die bis a.U.125 zur Verfügung stand, nachdem die „Zangerl-Burg“ nicht mehr genutzt werden konnte.
Es mangelt an Nachwuchs. Als Anfang der Jahrung 106 der spätere Rt. Musiking pilgerte, bestand die Erforda aus den „Vorkriegs“-Schlaraffen Selten, Maggio, Dolf (81), Bogen-strich (238) und Juvelus (272) sowie Adamus, Don Kamillo, Fridericus ex, Plombo, Theoderich, Schnattermann und Zangerl. Der Sassenrückgang in den umliegenden Reychen bewirkte immer weniger Einritte, es wurde nun sogar über Jahrungen hinweg wechselweise in Heimburgen gesippt.
6 Jahrungen später bestand die Erforda nur noch aus 9 Sassen.
Doch langsam nahmen die Einritte sowie die Unterstützung von Sassen aus westlichen Gemarkungen zu; es begann die Zeit der jährlichen Freundschaftssippungen mit dem Turney um die Meinungia-Kette, die Ost und West vereinigten. Die Erforda hatte das Glück, bis nach der Wendezeit in verschiedenen kirchlichen Einrichtungen sippen und ausreichend Platz bieten zu können und so gedachten 44 Recken am 26.02.a.U.118 der 100-jährigen Nordhusia und 87 Sassen feierten am 22.11.a.U.127 mit unserer Mutter, der damals aus 4 Sassen bestehenden 100-jährigen Vimaria.
Ein weiterer Glücksfall war, dass die Erforda in den letzten Jahren vor der Wiedervereinigung 10 Zugänge, aber nur 4 Ahalla-Ritte zu verzeichnen hatte. Einer davon war Rt. Juvelus, seit a.U.69 Schlaraffe und Ez der Katovicia, dem a.U.124 der Groß-Krystall verliehen wurde – für die Erforda ein einmaliges Erlebnis.
Im Windmond a.U.130 wurden die Erforden – wie die anderen Sassen der Ostreyche – „Reytter ins Grenzenlose“ und so mancher Pass füllte sich vehement, viele aus uhufinsterer Zeit befreundete Reyche galt es aufzusuchen; es gelang nicht in jedem Fall und erzeugte Frust.
Rechtzeitig war die Öffnung der Grenzen erfolgt, um die anstehende 100-Jahr-Feyer der Erforda im erforderlichen Rahmen vorbereiten zu können. 243 Recken aus 68 Reychen erlebten die Wiederaufnahme der Erforda mit ihren 13 Sassen, feyerlich vollzogen von DSR Inkasso, Shin-Shu und Comet.
Ein nahezu 55 Jahrungen währendes „Im-Verborgenen-Blühen“ hatte seinen Abschluss gefunden, doch die neue Situation deckt neue Probleme auf. Die Profanei lässt den Schlaraffen wenig Freiraum für ihr Spiel; neue Freunde zu finden war nicht einfach. Mit Hilfe vieler verkaufter Burgbausteine sowie eigener finanzieller und handwerklicher Aufwendungen ging am 20. im Lethemond a.U.135 unser Traum einer eigenen Burg, unserer neuen Radherrenburg im Keller eines Geschäftshauses in der Bahnhofstraße in Erfüllung. Aber es ging aufwärts; die Junkertafel füllte sich mit der Zeit und Höhepunkte der letzten Jahrungen waren die 2000. Sippung sowie die festliche Sippung zum Anlass der 40- jährigen Zugehörigkeit unseres Patriarchen Rt. Musiking zu Schlaraffia..
Erforda hat Höhen und Tiefen erlebt und die finsterste Zeit überstanden. Es hat sich aber auch gezeigt, dass ein Reych zwar von einer Vielzahl an Sassen getragen wird, aber nur von einer Handvoll Persönlichkeiten lebt, die ihm nach außen zu Ansehen verhelfen und es nach innen festigen.
Wie ein roter Faden ziehen sich die Namen Mosihi, Anatole, Schumrich, Ochen, Köbes, Zangerl, Dolf, Fridericus ex durch knapp 12 Jahrzehnte Erforda und es bleibt zu hoffen, dass dieser Faden nie abreißen möge......















